Autor Harald Tondern in Scheeßel: Zu appellieren ist ätzend

In der Wirklichkeit gezeltet

(vg). Nicht gerade Vorbild wählt Harald Tondern, wohl der besseren Übersicht zuliebe, den erhöhten Sitzplatz auf einem Tisch. Die Füße dazu jugendlich auf einem Stuhl abgestellt, versucht der 58-jährige Autor bei seiner Lesung in der Beeke-Schule, einen Draht zu den Schülern zu finden. Und das fällt nicht leicht.

Die Jugendlichen zweier Klassen des achten Jahrganges wollen sich zunächst nicht so recht äußern. Doch der Hamburger, der bei seiner Fragestunde im Umgang mit den Zuhörern offenbar keine Risiken scheut und dabei immer mit ruhigem Tonfall spricht, lässt nicht locker: Wie sie das Ende seines Buches "Die Nacht, die keine Ende nahm" fänden? Ob sie damit denn einverstanden seien? Zu kompliziert zu lesen sei der Band, kommt die Antwort, die Tondern nicht so recht glau-ben will und das auch belegt: "Die Auflage ist bereits auf mehr als 100.000 Exemplare gestiegen, die Geschichte wurde von vielen Klassen gelesen. Eine hat sogar ein Theaterstück daraus gemacht." Daran hätten die nun vor ihm sitzenden Schüler wohl kein Interesse, meint der Autor. Themenwechsel: Tondern berichtet, wie seine Geschichte entstanden ist, womit er dann auch auf mehr Interesse bei seinen Zuhörern stößt. Sein Kollege Frederik Hetmann, mit dem er das Buch gemeinsam geschrieben hat, las eine Reportage in der taz. Die handelte von der Reise einer Berliner Schulklasse in die neuen Bundesländer. Dort werden die Mädchen und Jungen eines nachts von Skinheads überfallen. (Tondern: "Die haben eine Woche in der Wirklichkeit gezeltet.") Hetmann hat den Artikel ausgeschnitten und an seinen Mitstreiter nach Hamburg geschickt. Mit einem Vermerk rechts an der Seite: "Wär das nicht ein Stoff für uns?" Es war einer. Tondern, der bereits mehr als 30 Bücher veröffentlicht hat, sucht die Basis für seine Geschichten in tatsächlichen Begebenheiten und erfindet dann fiktive Figuren und Handlung hinzu. Denn: "Die Realität ist oft nicht spannend genug für einen Roman", sagt Tondern. Seine Veröffentlichungen beinhalten meist "brennende Themen" wie Gewalt, Drogen und Rechtsradikalismus. Wie ihm ge-lingt, die Sprache der jungen Generation zu treffen? "Ich suche häufig das Gespräch und recher-chiere ausführlich." Inspiration für seine Arbeit schöpft er ebenso aus vielen Briefen, die ihm seine jungen Leser schreiben. Ob er seiner Zielgruppe auch Ratschläge mit auf den Weg gibt? "Nein. Zu appellieren - das finden Jugendliche ätzend. Die Botschaften sind in den Geschichten zu finden." Tonderns neuer Roman "Wehe, du sagst was!" erscheint in Kürze im Rotfuchs-Verlag. Die Geschichte, die Gewalt und Zivilcourage thematisiert, handelt von einer Mädchengang aus St. Pauli.

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