Jüngst fand im Sottrumer Heimathaus im Rahmen der Kunstprovinz die Ausstellung "Heiter bis wolkig“ statt. Es war nicht die erste Ausstellung im Rahmen der Kunstprovinz – doch zum ersten Mal fand sie unter Beteiligung der Sottrumer Malerin Renate Köster statt. Obwohl sie Kunstprovinz-Neuling ist, sind ihr Name ihre Werke in der Region bereits bekannt. "Ich male nämlich eigentlich schon sehr lange“, erzählt sie. "Doch ich hatte bisher nie Bilder zum Ausstellen, weil ich überwiegend nach Aufträgen gemalt habe.“
Das mag jemand, der das Haus der Sottrumerin betritt, kaum glauben, denn überall hängen ihre Arbeiten an den Wänden – und das nicht kreuz und quer, sondern nach Plan: Vier Bilder an der Treppe zeigen den Übergang von Nacht zum Tag, das heißt den Untergang des Mondes und den Aufgang der Sonne. Und wer die oberste Stufe erreicht hat, blickt statt auf die Flurwand auf einen Torbogen und einen Weg, der weiterführt. "Ich habe sogar ein passendes Bild über der Badewanne hängen“, gesteht Köster lachend. "Immer, wenn ich darin liege, kann ich auf einen Wasserfall blicken.“ Seit 1967 lebt die in Hof geborene in der Wiestegemeinde. "Mein Vater arbeitete bei der Bundeswehr und wurde in die Kaserne nach Rotenburg versetzt. Seitdem bin ich hier zu Hause.“ Ähnlich wie der Vater arbeitet auch sie bei der Bundeswehr – jedoch als Verwaltungsangestellte. "Das Malen ist für mich ein guter Ausgleich zu der Büroarbeit. Es entspannt mich und wirkt ein bisschen wie Yoga.“ Köster malt bereits seit ihrer Kindheit. "Ich weiß noch, dass ich früher Modezeitschriften gebastelt und die Menschen darin gezeichnet habe. Und als Teenager habe ich viel Malen nach Zahlen gemacht“, verrät sie. "Doch das war alles ganz naive Malerei.“ Erst ein Aquarell-Malkurs an der Volkshochschule habe sie einen Schritt nach vorne gebracht und sie hat angefangen in Öl zu malen. "Doch auch da bin ich irgendwann an meine Grenzen gestoßen. Deswegen habe ich mich im Offenen Atelier der Fachhochschule Ottersberg gemeldet und eine ganze Menge dazugelernt.“ Von da an sei sie nicht mehr zu bremsen gewesen, gesteht sie schmunzelnd. "Irgendwann habe ich angefangen, über eine Auktionsplattform im Internet einige von meinen Bildern zu verkaufen.“ Es sei anfangs nur ein Versuch gewesen, Köster wollte sehen, wie ihre Bilder bei anderen ankamen. "So kam das mit der Auftragsmalerei in die Gänge, denn es kamen immer wieder Leute auf mich zu die gesagt haben: ‚Mal mir doch mal ein Bild’.“ Obwohl sich Köster bei ihren Aufträgen auf den Geschmack des jeweiligen Auftraggebers einstellt, erklärt sie nicht nur Edward Hopper und Ren' Magritte zu ihren Lieblingskünstlern, sondern, angelehnt an letzteren, den Surrealismus zu ihrem Lieblingsstil. Der Surrealismus entstand um 1920 in Paris und hatte das Ziel, Unbewusstes und Traumhaftes künstlerisch darzustellen. Auch in Kösters Atelier können Bilder entdeckt werden, die einer Traumwelt entstammen. So schwebt auf einem eine riesige Seifenblase über einen wilden Fluss dem Sonnenuntergang entgegen. Und auf der riesigen Blase sind Menschen zu entdecken, die, so scheint es, laufend den großen durchsichtigen schwebenden Ball in Bewegung halten. Eines ihrer – räumlich betrachtet – größten Werke befindet sich an einer Garagenwand in Hellwege und zeigt die Route 66. Sowas spricht sich schnell herum und führt dazu, dass der Name Renate Köster innerhalb der Samtgemeinde Sottrum immer bekannter wird. So kam es, dass die Künstlerin bereits im vergangenen Winter im Sottrumer Autohaus Hesse ihre Bilder im Rahmen einer Ausstellung präsentierte. "Ab April wird es außerdem eine Dauerausstellung von mir in der Zahnarztpraxis von Dr. Katja Eckhof geben“, verrät sie und fügt hinzu: "Ich habe mal eine Art Suchbild für die Praxis gemalt. Das war riesig groß und zeigte eine afrikanische Landschaft, in der Kamele versteckt waren. Das Bild soll die Patienten von der Behandlung ablenken.“ Elf Exponate werden dann zu sehen sein, die nach einiger Zeit gegen andere ausgetauscht werden und so die Bandbreite von Kösters Können zeigen – denn das reicht von Landschaftsmalerei über Abstraktes und Gegenständliches bis hin zu Blumen. "Nur Portraits male ich nicht so gerne“, fügt sie hinzu. Doch so unterschiedlich die Bilder auch sein mögen, gemeinsam ist ihnen, dass sie bunt sind. Denn Farben mag die Sottrumerin – und das nicht nur in der Kunst: "Wenn das Wetter schön ist, widme ich mich sehr gerne meinem Garten. Das ist auch ein bisschen wie Malen, sobald die Blumen anfangen zu blühen.“ Köster ist in der Wiestegemeinde und darüber jedoch hinaus nicht nur durch ihre Bilder bekannt, sondern auch durch die Turm-Kultur. Und obwohl die Malerei und die Veranstaltungsreihe zwei verschiedene Paar Schuhe sind, würde das Eine ohne das Andere nicht existieren. "Nachdem ich genug Bilder für eine kleine Ausstellung zusammen hatte, habe ich Peter Esche von der Kulturinitiative Sottrum angerufen, um im Rahmen der Kunstprovinz meine Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren“, erinnert sich Köster. "Doch dazu kam es nicht, denn im Laufe unseres Gesprächs entstand die Idee, die Turm-Kultur ins Leben zu rufen.“ Aus der Theorie wurde Praxis und so feierte die Veranstaltungsreihe am 7. Mai 2011 im Kirchturm der Sottrumer St.-Georgs-Kirche Premiere. Neben Köster und Esche gehören auch Heidi Stahl und Jens Högermeyer zum Organisationsteam. Bis Oktober stand dort an jedem ersten Samstag im Monat ein Künstler auf der Bühne, danach war die Saison vorbei. "Im Winter ist es dort einfach zu kalt“, so Köster. "Aber am 5. Mai geht es endlich wieder los. Den Auftakt dabei macht, wie auch schon im vergangenen Jahr, Benedikt Vermeer.“