Manuel Kainz beendete aufgrund von Verletzungen im vergangenen Sommer seine Karriere beim FC Bayern. Jetzt trainiert er die Torwarttalente am Campus.
München – Wie ist es eigentlich, mit Manuel Neuer zu trainieren? Was macht ihn so gut? Und was kann man alles von ihm lernen? Fragen, die Manuel Kainz in den letzten Wochen und Monaten immer wieder gestellt bekommt. Seine Antwort lautet dann: „Manu strahlt eine unglaubliche Ruhe und Selbstverständlichkeit aus. Seine Aura und Persönlichkeit gibt es kein zweites Mal.“ Die Fragensteller sind in der Regel Kinder. Junge Torhüter im NLZ des FC Bayern, die Kainz seit Saisonbeginn trainiert. Das ehemalige Torwarttalent des Rekordmeisters arbeitet heute als Torwarttrainer am Campus.
Kainz war seit der U15 Teil des FC Bayern. Aus Freising in die Münchner Talentschmiede gewechselt, durchlief der Keeper die Jugendmannschaften beim Rekordmeister und spielte sich bis in die Regionalligamannschaft hoch. Das große Problem: Immer wieder warfen Verletzungen den 1,95 Meter-Hühnen zurück. So sehr, dass Kainz im vergangenen Sommer seine Karriere frühzeitig beendete. „Es wäre nicht ratsam für mich und meinen Körper gewesen, weiterzumachen“, erzählt Kainz in einem Interview mit den vereinseigenen Klubmedien.
Verletzungen zwangen Kainz zum Karriereende – Tom Starke holte ihn ins Torwarttrainerteam des FCB
Wie es das Schicksal so will, war genau zu dem Zeitpunkt eine Stelle im Torwarttrainer-Team des Campus freigeworden. Andreas Rössl wechselte fest zu den Profis an die Säbener Straße und Tom Starke, der Torwart-Koordinator des FCB, holte Kainz in sein Trainerteam. „Ich habe schon während meiner aktiven Zeit immer wieder beim Torwarttraining der Kleinen ausgeholfen“, erzählt Kainz, „daher war meine Entscheidung recht schnell getroffen“.
Die richtige, wie sich herausstellen sollte. „Ich habe richtig Spaß an der Arbeit. Die Rolle als Torwarttrainer ist eine völlig neue Herausforderung“, schwärmt Kainz. Der 23-Jährige kümmert sich um die Keeper von der U11 bis zu U15, übernimmt auch das Scouting im entsprechenden Altersbereich. Häufig erkennt er sich selbst in den kleinen Schützlingen wieder. „Wenn ich mit den Jungs trainiere, muss ich oft daran denken, wie es war, als ich das erste Mal zum FC Bayern gekommen bin“, sagt Kainz. „Die Träume sind damals dieselben wie heute.“
Träume, die das ehemalige Talent aufgeben musste. Schmerzhaft für den ehrgeizigen Kainz. Besonders, wenn er den Weg von ehemaligen Mitspielern wie Malik Tillmann, der heute Champions-League-Spieler ist, verfolgt. „Natürlich vermisst man es, als aktiver Spieler auf dem Platz zu stehen“, sagt Kainz. Der Torwarttrainer betont aber auch: „Ich weine dem ganzen aber nicht hinterher, bin sehr glücklich, weiterhin alles für den Verein geben zu dürfen.“
Besonders für das frühzeitige Angebot der Trainerstelle ist er dem FCB dankbar. „Es ist ein schönes Gefühl, dass der Verein uns ehemalige Spieler auch nach der Karriere nicht ‚vergisst‘. Hier beim FC Bayern wird niemand hängengelassen“, sagt Kainz. Wichtig für den von Verletzungen geprägten 23-Jährigen, denn: „Womöglich gäbe es sonst noch immer den verbissenen Manu, der dem Kindheitswunsch vom Profifußball trotz lädiertem Körper hinterherrennt.“
In Zukunft hilft Manu Kainz eher bei der Erfüllung der Kindheitswünsche seiner Keeper-Schützlinge. Damit auch sie vielleicht bald die Fragen nach Manuel Neuer oder dessen Nachfolgern aus erster Hand beantworten können. (Tobias Höllrich)