Dr. Felix Brych beendet zum Ende der Saison seine Laufbahn als Schiedsrichter. Der Münchner erinnert sich in diesem Zuge an einen Vorfall mit CR7.
München – Seit 1999 ist er Schiedsrichter beim DFB, zum Saisonende ist Schluss: Dr. Felix Brych hört als Referee auf.
„Die ersten Anzeichen kamen nach dem letzten Spiel vor der Winterpause in Stuttgart (0:1 gegen St. Pauli, Anm. d. Red.). Auf der Heimfahrt hatte ich zwei Stunden Zeit und habe angefangen, in mich reinzuhorchen. Es war schwer, noch Ziele zu finden – und ich war immer jemand, der sich über Ziele motiviert hat“, sagte der 49-Jährige bei einer digitalen Pressekonferenz gegenüber Medienvertretern am Donnerstag.
Felix Brych verkündet Rücktritt als Schiedsrichter
Im November 2023 hatte sich Brych einen Kreuzbandriss zugezogen, das Comeback sei „ein riesiger Kraftakt“ gewesen. „Das 350. Bundesliga-Spiel Anfang Dezember war das letzte Ziel“, so der gebürtige Münchner, der in seiner Karriere einiges erleben durfte.
Bundesliga-Rekordschiedsrichter Brych leitete in seiner Karriere Spiele bei Weltmeisterschaften und pfiff das Champions-League-Finale 2017 zwischen Real Madrid und Juventus Turin (4:1), er bekam es mit Weltstars wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Sergio Ramos und Zlatan Ibrahimović zu tun. „Es war ein weiter Weg nach oben“, so Brych.
Brych hatte „normalerweise immer guten Draht“ zu Cristiano Ronaldo
Ein Ereignis ist Brych dabei besonders in Erinnerung geblieben: 2018 stellte er CR7 in der Champions League nach nur 29 Minuten mit Rot vom Platz, der Portugiese weinte sogar.
„Es war das erste Spiel nach seinem Wechsel von Real Madrid zu Juventus, auswärts in Valencia in Spanien, eine ganz feindselige Atmosphäre. Normalerweise hatte ich immer einen guten Draht zu ihm, aber an diesem Tag war er anders drauf als sonst“, rekapitulierte der 49-Jährige auf Nachfrage von fussball.news, dem Fußball-Portal von IPPEN.MEDIA.
„Er hat einem Gegenspieler in die Haare gegriffen und ich habe ihm Rot gezeigt“, erklärte Brych, der damals nicht nur den Zorn der Ronaldo-Anhänger im Stadion zu spüren bekommen hatte. „Das Stadion in Valencia hat getobt, das Internet aber auch. Der Mann hat 500 Millionen Follower (bei Instagram inzwischen 649 Mio.; Anm. d. Red.), da können Sie sich vorstellen, was da los war“, berichtete der Schiedsrichter.
Mit Ronaldos langjährigem Rivalen Messi habe er dagegen „eher wenig gesprochen, er hat den Kontakt nicht gesucht und auch nicht angenommen, der wollte immer einfach spielen“, so Brych.
Brych beendet Karriere: „Jetzt merke ich, dass die Kraft schwindet“
Im August feiert er seinen 50. Geburtstag. „Jetzt merke ich, dass die Kraft schwindet – und auch die Lust auf Stress. Als Schiedsrichter brauchst du Lust, stressige Situationen zu lösen“, erklärte Brych. Der Stress und die Aufgabenfülle habe in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen: „Früher sind wir noch zu dritt zu den Spielen gefahren, irgendwann dann zu viert und jetzt sind wir inklusive des Kölner Kellers zu acht.“
Ein weiterer Faktor: Social Media. „Das Internet war noch in den Kinderschuhen, als ich angefangen habe. Ich habe das gerne ausgehalten, aber jetzt ist es auch gut“, sagte Brych, der seine Entscheidung wohlüberlegt getroffen hat.