Tim Kleindienst ist das dominierende Gesicht im Angriff von Borussia Mönchengladbach. Steht bald das Bangen um den Angreifer an?
Mönchengladbach – Spielertransfers sind ein wichtiges Mittel von Fußballvereinen, um der Mannschaft ein neues Gesicht oder fehlendes Element zu verleihen. Wie erfolgreich die Neuzugänge in ihrer neuen Umgebung agieren werden, kann vorab jedoch selten vorhergesagt werden.
Der Kleindienst-Transfer war ein voller Erfolg
Borussia Mönchengladbach setzte 2023 große Hoffnungen in Tomáš Čvančara, der für 10,5 Millionen Euro von Sparta Prag verpflichtet wurde und seither eine unglückliche Zeit am Niederrhein erlebt hat. Neben Verletzungen hat die Verpflichtung eines Konkurrenten dazu beigetragen, der ihm in Windeseile entwachsen ist: Tim Kleindienst.
Der Transfer in Höhe von sieben Millionen Euro hat sich schon jetzt ausgezahlt. Nach 19 Spieltagen steht der 29-Jährige bei elf Saisontoren, damit wäre er vergangene Spielzeit vereinsinterner Top-Torschütze geworden. Hinzu kam die Einladung zur deutschen Nationalmannschaft, für die Kleindienst im Oktober und November insgesamt vier Länderspiele absolviert und zwei Tore erzielt hat.
Überhaupt tut Kleindienst Gladbachs Spiel gut. Der Angreifer begeht ligaweit die meisten Fouls am Gegner (46), lieferte bisher die drittmeisten Sprints (566) und zweitmeisten intensiven Läufe (1579). Gepaart mit seiner Torgefahr bietet Kleindienst ein Paket, das für die Fohlen extrem wertvoll ist. Doch genau das kann im Profifußball ein Problem werden, denn allen voran Stürmer landen schnell auf dem Radar größerer Vereine, die im Transfersommer einen Vorstoß wagen könnten.
Droht Kleindienst Gladbach zu entwachsen?
So feierte Niclas Füllkrug 2023 mit 16 Treffern für Werder Bremen den Gewinn der Torjägerkanone, wechselte anschließend für rund 17 Millionen Euro zu Borussia Dortmund und nach einer guten Saison bei Schwarzgelb (43 Spiele, 15 Tore) für 27 Millionen Euro zu West Ham United. Ein Klub mit dem Kaliber der Hammers könnte auch auf Gladbach und Kleindienst zukommen, eine Ablösesumme von bis zu 15 Millionen Euro wäre aus Sicht des Bundesligisten kein unattraktiver Betrag.
Es wäre der gängige Mechanismus, dem Borussia unterläge. Trotzdem herrscht Gelassenheit am Niederrhein, da Kleindienst schon früh deutlich gemacht hat, was ihm der Gladbach-Wechsel bedeutet. „Diese Strahlkraft, diese Fanbase; auch am Stadion, alles, was vor Ort da ist, das ist als Spieler schön zu sehen“, sagte der Torjäger im Sommertrainingslager am Tegernsee über seinen neuen Arbeitgeber. „Man hat viele Möglichkeiten, die man nutzen kann, was auch für die Professionalität des Vereins spricht. Es wird sich sehr viel gekümmert, es wird sehr viel abgedeckt.“
Außerdem hat Kleindienst auch negative Erfahrungen mit einem Vereinswechsel gemacht. Im Sommer 2020 wagte er den Schritt vom 1. FC Heidenheim zu KAA Gent, traf dort auf vier Trainer und kehrte im Januar 2021 nach Heidenheim zurück. Über den Wechsel nach Gladbach habe er „20-mal mehr nachgedacht“, um eine solche Erfahrung nicht noch einmal erleiden zu müssen.
Gladbach muss eine Mannschaft um Kleindienst herum bauen
Insofern richtet sich der Blick der Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Roland Virkus darauf, eine Mannschaft um Kleindienst herum aufzubauen. Bis zum 30. Juni 2028 ist dessen Vertrag gültig, und in diesen knapp dreieinhalb Jahren soll und wird der 1,94 Meter lange Angreifer eine wichtige Rolle im Mannschaftsgebilde einnehmen.
Mit Honorat verfügt Kleindienst über einen ersten Zuarbeiter. Ein solcher soll auch für die linke Außenbahn bereitgestellt werden, weshalb die Gerüchteküche seit Wochen mehrere Flügelspieler mit Gladbach in Verbindung bringt. Neben Rubén Vargas werden wohl aber auch Jan-Niklas Beste und Arnaud Nordin nicht zu Borussia wechseln. Hinzu kommen die Kreativspieler Alassane Pléa und Kevin Stöger, die für die besonderen Momente im letzten Drittel stehen. Das Konstrukt funktioniert schon jetzt gut und soll im Sommer weiter verfestigt werden - denn je mehr Tore die Offensive liefert, desto größer ist die Chance auf Erfolg.