Borussia Mönchengladbach hatte gegen den FC Augsburg (0:3) einen gebrauchten Tag – wegen der Spitzenleistung von Alexis Claude-Maurice.
Mönchengladbach – Die Spieler von Borussia Mönchengladbach können nicht von sich behaupten, überrascht worden zu sein.
Augsburg-Dribbler schießt Gladbach ab
Sport-Geschäftsführer Roland Virkus hatte vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg explizit vor Alexis Claude-Maurice gewarnt, sagte: „Das soll man gar nicht so glauben bei Augsburg, aber das ist ein richtig guter Fußballer, der viele Angriffe kreiert und selber Tore schießt.“
Der offensive Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2024 von OGC Nizza in die Fuggerstadt, erzielte im Hinspiel gegen die Fohlen bei seinem Bundesliga-Debüt gleich sein erstes Tor. Borussia wusste also bereits, wie sehr Claude-Maurice einer Mannschaft wehtun kann.
Beim zweiten Aufeinandertreffen im Borussia-Park am Samstagnachmittag schlug der Franzose erneut zu – und das dreimal. In der 55. Minute lief Claude-Maurice seinem Gegenspieler Julian Weigl davon, zudem öffnete sich die Gasse für Vorlagengeber Jeffrey Gouweleeuw. Der 26-Jährige war auf und davon, ließ Gladbachs Ersatzkeeper Tobias Sippel keine Chance und traf zur Führung.
Kurz darauf erzielte Claude-Maurice gegen die in Unterzahl agierenden Fohlen – Jonas Omlin sah bei seinem Startelf-Comeback nach 28 Minuten Rot – das 2:0. Bei einem Augsburger Eckball war er im Rückraum völlig frei, ohne Gegnerdruck legte er sich den Ball zurecht und brachte ihn im Netz unter (61.). Für Gladbach kam es noch dicker, der Dribbler erzielte nach 70 Minuten im Strafraum mutterseelenallein das 3:0.
Insgesamt hat Augsburg der Borussia in dieser Saison fünf Tore eingeschenkt, viermal hieß der Torschütze Claude-Maurice. Der untypischste aller FCA-Offensivspieler ist gleichzeitig die größte Waffe für Cheftrainer Jess Thorup. Mit nun neun Saisontoren ist Claude-Maurice der treffsicherste Augsburger, damit wäre er sogar in der Gladbacher Offensive auf Rang zwei hinter Tim Kleindienst (14 Tore).
Virkus nimmt Gladbach-Stars in die Pflicht
Das Spiel hätte durchaus einen anderen Verlauf nehmen können, hatte Omlins Platzverweis doch einen großen Einfluss auf den weiteren Spielverlauf. Andererseits hatte Gladbach vor der Pause selbst Chancen zur Führung, unter anderem scheiterten Ko Itakura, Joe Scally und Nico Elvedi mit einer Dreifachchance nach einem Eckball (33.), später parierte Finn Dahmen gegen Robin Hack (42.).
Nach dem Seitenwechsel schwanden jedoch die Kräfte, womöglich war Borussia in Unterzahl sogar zu gierig und wollte zu viel. So mangelte es an Konzentration und infolgedessen an der Aufmerksamkeit und Gegenwehr bei den Treffern.
„Gegen so einen Gegner ist es wichtig, fokussiert zu sein, wenige Fehler zu machen und gut zu verteidigen. Solche Gegner warten immer aufs Umschalten, sie haben in den letzten Spielen nur zwei Tore kassiert. Das haben wir nicht gut gemacht“, legte Virkus den Finger in der Mixed Zone in die Wunde und betonte: „Mit einem Mann mehr haben sie einen Vorteil, aber man kann die Dinge immer noch besser verteidigen. Wir haben zu früh den Ball verloren, Laufwege nicht aufgenommen und völlig zu Recht in der Höhe verloren.“
Gladbach fühlt sich gefestigt genug
Auch Vizekapitän Weigl, dem Claude-Maurice beim 0:1 entwischt ist, hat nach dem Abpfiff selbstkritische Töne angeschlagen: „In der zweiten Halbzeit war es zu wenig, die Abstimmung hat nicht mehr so gestimmt, Augsburg hat sich zu einfach in unseren Sechzehner gespielt. Wir haben uns vorgenommen, die Null lange zu halten und selber auf die Chance zu warten, kassieren relativ einfach die zwei Tore und dann war die Luft raus.“
Das seien Erfahrungen, die zur Entwicklung einer Mannschaft dazugehören, hieß es nach dem Schlusspfiff. Nach zuvor vier ungeschlagenen Spielen mit Punktgewinnen gegen Stuttgart (2:1) und Frankfurt (1:1) erlebte Gladbach einen Rückschlag. Nichtsdestotrotz wirkt die Mannschaft gefestigt genug, um sich nicht aus der Balance zu bringen und wichtige Schlüsse für das letzte Saisondrittel zu ziehen. Den ersten Beweis kann Borussia am kommenden Wochenende gegen den 1. FC Heidenheim erbringen.