Italien tritt als Underdog in der Nations League gegen Deutschland an. Aber fast immer, wenn es ernst wurde, verlor das DFB-Team.
Mailand – Ein Blick zurück in die Historie: Am 5. Mai 1940 traf Italien in Mailand vor 70.000 Zuschauern auf Deutschland. Die Gastgeber siegten damals mit 3:2. Das Besondere auf deutscher Seite: Die beiden Tore schoss damals der Österreicher Franz „Bimbo“ Binder.
Happel und Merkel lernten von Franz Binder
Der Niederösterreicher sollte später noch großen Einfluss auf den österreichischen und deutschen Fußball nehmen. Nach dem 2. Weltkrieg formte Binder mit Rapid Wien eine der besten Mannschaft Europas. Zu den Spielern gehörten unter anderem Max Merkel und Ernst Happel. Merkel führte als Coach dann 1860 München und den 1. FC Nürnberg zur deutschen Meisterschaft, Happel machte in den 1980er-Jahren den Hamburger SV zur besten Mannschaft in Europa.
Italien fügt DFB-Team schmerzhafte Niederlagen zu
Aber zurück zu den Italienern: Im Laufe der Fußball-Historie haben sie Deutschland regelmäßig schmerzhafte Niederlagen zugefügt, womöglich auch die schlimmste Niederlage der deutschen Fußballgeschichte.
So vermasselten die Italiener bei der Heim-WM 2006 Deutschland den Final-Einzug mit einem 2:0-Sieg nach Verlängerung. Die Torschützen Fabio Grosso (119.) und Alessandro del Piero (120.) versetzten Fußball-Deutschland in ein Tränenmeer.
Balotelli in Jubelpose gegen Deutschland
2012 sollte dann eigentlich die Revanche glücken, dachten jedenfalls alle deutschen Fans. Doch im EM-Halbfinale verzockte sich Bundestrainer Joachim Löw brutal, weil er Andrea Pirlo im Mittelfeld taktisch nicht in den Griff bekam.
Die Folge: Mario Balotelli machte in der 20. und 36. Minute mit Deutschland kurzen Prozess. Der ikonische Torjubel mit Mucki-Pose ist bis heute ein beliebtes Meme.
Zu den größten Spielen der Fußball-Geschichte zählt das WM-Halbfinale 1970, als Deutschland wie in einem spektakulären Boxkampf mit 3:4 nach Verlängerung K.o. ging. Über das verlorene WM-Finale 1982 gegen Italien wird dagegen weniger gesprochen, zu dominant waren die Italiener gegen Deutschlands erste Generation an „Rumpelfußballern“.
Sind die Italiener taktisch besser geschult?
So entwickelte sich Italien aber immer mehr zum Angstgegner für das DFB-Team, zur fast schon unbesiegbaren Bestie, wenn es in Topspielen darauf ankam.
Lange Zeit wurde als Kerngedanke angeführt, dass die italienischen Spieler individualtaktisch besser geschult seien und der sehr physische Fußball der Deutschen wie ein missglücktes Anrennen mit dem Kopf durch die Wand wirke.
DFB-Team mit Serie gegen Italien
Doch was kaum auffällt ist, dass die deutsche Mannschaft nun schon seit 13 Jahren gegen Italien ungeschlagen ist. Die Zeiten der „Bestia Negra“ sind wohl vorbei. Oder umgekehrt philosophiert: Ist vielleicht das DFB-Team bald die „Bestia Negra“ für die Italiener?
Besonders hervorzuheben ist dabei das packende Duell im Viertelfinale der Europameisterschaft 2016, als sich Deutschland letztendlich im Elfmeterschießen gegen Italien mit 6:5 durchsetzte.
Schweinsteiger, Müller und Özil vergeben Elfmeter gegen Italien
Obwohl mit Thomas Müller, Mesut Özil und auch Bastian Schweinsteiger gleich drei Superstars des DFB ihre Elfmeter vergeben hatten. Aber Italiener sind im Elfmeterschießen eben oft auf dem Niveau der Engländer anzusiedeln. Nicht immer, aber oft genug versagen die Nerven.
In den vergangenen sechs Duellen mit Italien ging Deutschland jedenfalls dreimal als Sieger vom Platz, dreimal gab es ein Remis. Insgesamt liegt Italien in der Bilanz noch leicht vorne, in 37 Duellen siegte Italien 15-mal, Deutschland zehnmal.
Der Trend für die Partie am Donnerstagabend spricht klar für das DFB-Team. Doch die Fußball-Historie hinterlässt für die deutsche Seite ein mulmiges Gefühl: Wenn es darauf ankommt, war Italien meist zur Stelle. Fragt sich nebenbei nur, ob Nations-League-Spiele schon als Duelle der höchsten Ebene gelten dürfen?