Borussia Mönchengladbach jubelt über einen bedeutenden Sieg gegen den VfB Stuttgart. fussball.news präsentiert drei Erkenntnisse für die Fohlen-Elf.
Mönchengladbach – Erst hielt sich der Jubel in Grenzen, dann kannte er keine Grenzen. Als Tim Kleindienst in der 82. Minute das 2:1 für Borussia Mönchengladbach gegen den VfB Stuttgart erzielte, entschied das Schiedsrichtergespann zunächst auf Abseits. Der Video-Assistent korrigierte diese Entscheidung jedoch.
Gladbach feiert Auswärtssieg in Stuttgart
Vorlagengeber Lukas Ullrich befand sich in keiner Abseitsstellung, sein Pass auf Kleindienst, der im Nachgang über den Youngster scherzte („Er hat mir gerade gesagt, er wollte es alleine machen, aber dann hat er Muffensausen gekriegt“), war somit legal und bescherte Gladbach den zweiten Doppelsieg in dieser Saison.
Eine Woche nach dem 3:0 gegen den VfL Bochum feierte Borussia einen verdienten und ebenso umkämpften Sieg in Stuttgart. Der Matchplan von Gerardo Seoane, die Tiefe zu attackieren und die Räume hinter der letzten Abwehrkette über die Außenbahnen zu bespielen, ging regelmäßig auf. Im eigenen Ballbesitz machte sich die Mannschaft das Leben phasenweise selbst schwer, auch blieben mehrere vielversprechende Szenen ungenutzt. Das waren aber nicht die einzigen Erkenntnisse, die fussball.news gesammelt hat.
Ngoumou offenbart Steigerung
Auffallend war etwa die positive Leistung von Nathan Ngoumou. Im Hinspiel avancierte der Franzose aufgrund zahlreicher Abseitsstellungen und Fehlpässe zum Pechvogel, die Kritik in den sozialen Netzwerken war härter denn je. Aufgrund einer im Dezember erlittenen Verletzung absolvierte der Flügelspieler seinen ersten Startelfeinsatz im Jahr 2025 und wusste den Ausfall seines Landsmannes Franck Honorat zu kompensieren.
Borussia suchte regelmäßig Ngoumou und schickte seinen Tempospieler in die Tiefe. Nach einem cleveren Doppelpass mit Julian Weigl traf der 24-Jährige zur Führung, auch nach dem Seitenwechsel war er häufig in Szene gesetzt worden.
Im Vergleich zu den vergangenen Monaten war die Leistung in Stuttgart ein guter Schritt in die richtige Richtung, allerdings hat Ngoumou weiterhin Nachholbedarf. Sein rechter Fuß ist der klar stärkere, in manchen Situationen erlaubte ihm seine Positionierung aber nur einen Pass oder Schuss mit dem linken Fuß – entsprechend wenig Gefahr resultierte daraus.
Dennoch hat Ngoumou bewiesen, ein Kaderspieler zu sein, der Gladbach durchaus helfen kann. Ähnlich wie in der Debatte um Leroy Sané beim FC Bayern stellt sich auch beim französischen Rechtsaußen die Frage, wie konstant er sein Potenzial auf den Platz bringen kann. Folgen erneut schwächere Auftritte, dürften die Gerüchte über einen Abschied im Sommer zunehmen.
Stöger nutzt seine Chance
Einen positiven Eindruck hat auch Kevin Stöger hinterlassen. Der 31-Jährige fungierte wie beim Sieg gegen seinen Ex-Verein Bochum als Ersatz für Alassane Pléa, der sich im Aufbau befindet.
In Spielen, in denen Gladbach mehr Ballbesitzanteile verzeichnet, kann Stöger ein Fixpunkt sein. Das stellte er auch in Stuttgart unter Beweis. Allen voran in Durchgang eins hatte Borussia längere Ballbesitzphasen, in denen er das Spiel von der Zehn aus steuerte. Regelmäßig ist Stöger angespielt worden und leitete den Ball geschickt weiter, wobei er in der sechsten Minute sogar die erste Großchance hatte, als er nach einem Tiefenlauf frei vor Alexander Nübel auftauchte.
Auch nach dem Seitenwechsel war Stöger ein Aktivposten, der Chancen initiiert und selbst den Abschluss gesucht hat. Eine große Gelegenheit ergab sich in der 55. Minute, als der Routinier im Strafraum zum Abschluss kam und im Nachgang von Anthony Rouault getroffen wurde. Insgesamt wusste Stöger seine Chance zu nutzen – ob die Leistungen reichen, um sich dauerhaft gegen Pléa durchzusetzen, bleibt allerdings abzuwarten.
Seoane-Wechsel sorgen für Diskussionen
Während im Fan-Umfeld Einigkeit über die gute Leistung von Ngoumou herrschte und auch Linksverteidiger Ullrich viel Lob kassierte, rückte Seoane in der Schlussphase in die Kritik.
Die Einwechslungen von Luca Netz (76., für Nathan Ngoumou) und Stefan Lainer (86., für Robin Hack) waren nachvollziehbar, da mit Tomáš Čvančara nur eine weitere Option für die Außenbahnen zur Verfügung stand und der Tscheche eine schwächere Balance zwischen Defensive und Offensive aufweist. In der 91. Minute kam Čvančara zwar für Kleindienst ins Spiel, dafür wurden parallel die Innenverteidiger Marvin Friedrich und Fabio Chiarodia für Stöger und Ullrich eingewechselt.
Mit Chiarodia, Friedrich, Lainer, Netz sowie Joe Scally, Ko Itakura und Nico Elvedi waren in der Schlussphase sieben defensive Akteure auf dem Feld. Dass Seoane alle Register zieht, um einen knappen Sieg über die Zeit zu bringen, ist einerseits verständlich. Andererseits bringt der Schweizer seine Mannschaft damit in die Bredouille, denn je tiefer sie sich von ihrem Gegner in den eigenen Strafraum drängen lässt, desto größer wird die Torgefahr.
Fehlende Entlastung ist ein Punkt, der seit Beginn der vergangenen Spielzeit häufig angesprochen wird. Auch in der laufenden Saison ist mehrfach der Eindruck entstanden, dass Seoane die Balance zu stark in Richtung Defensive verschiebt. Das kann Punkte bringen, Dreier sind damit aber keineswegs garantiert. Insofern braucht es in Schlussphasen eine gesündere Mischung, um die Gefahr eines Gegentreffers zu minimieren.