Ist Nagelsmann gezwungen, diesen Bundesliga-Torhüter zu berücksichtigen?

In der Bundesliga ging Moritz Nicolas lange Zeit unter. Kann Julian Nagelsmann den Torwart von Borussia Mönchengladbach bald nicht mehr übersehen?

Mönchengladbach – Bei aller Wehmut ob des Verletzungspechs von Jonas Omlin ist die Entwicklung von Moritz Nicolas eine der Geschichten, die im Fan-Umfeld von Borussia Mönchengladbach gerne erzählt werden.

Gladbach-Talent wird Stammtorhüter

Der 27-jährige Torhüter ist nach vielen Jahren im Wartestand zur Nummer eins der Fohlen-Elf aufgestiegen. Im Sommer 2015 wechselte Nicolas als 17-Jähriger in die U23-Mannschaft, ab 2019 folgten Leihen zu Union Berlin, den VfL Osnabrück, Viktoria Köln und Roda Kerkrade.

Nach seiner Rückkehr im Sommer 2023 war Nicolas als Nummer zwei hinter Omlin eingeplant, der wegen einer Schulterverletzung aber weite Teile der Saison verpasste. Der gebürtige Gladbecker entwickelte sich zu einem zuverlässigen Torhüter, musste aber Platz machen für Omlin, der aufgrund der Kapitänsbinde mit einem Vorsprung in die Saison 2024/25 ging.

Den Vorsprung hat Nicolas längst aufgeholt, er hat selbst einen Puffer zu seinem Schweizer Kontrahenten aufgebaut, der im September 2024 eine erneute Verletzung erlitt. Trainer Gerardo Seoane verzichtet auf einen Zickzackkurs und zeigt in seiner zweiten Saison Konsequenz. Und die lautete nun einmal, dass Nicolas fest zwischen die Pfosten rückt.

Nicolas spielt sich in Gladbach in den Vordergrund

Beim 2:1-Sieg gegen 1899 Hoffenheim am 21. Dezember lieferte Nicolas eine Top-Performance, hielt den Sieg im Alleingang fest. Zum Jahresauftakt gegen den FC Bayern (0:1) am 11. Januar folgte die nächste Glanzleistung, einzig Harry Kane schlug ihn vom Elfmeterpunkt aus.

Auch gegen Eintracht Frankfurt (1:1) am vergangenen Samstag überzeugte Nicolas, der vor dem Ausgleich einen abgefälschten Schuss von Hugo Larsson an die Latte lenkte (31.) und nach dem Seitenwechsel gegen Can Uzun (67.) den Rückstand verhinderte.

Wird Nicolas bald sogar ein Thema für die deutsche Nationalmannschaft? Die hat nach dem Rücktritt von Manuel Neuer ihre Nummer eins eigentlich gefunden, doch Marc-André ter Stegen ist mehrfach vom Verletzungspech eingeholt worden.

Erst machte dem früheren Gladbacher Nachwuchskeeper eine Rückenverletzung von November 2023 bis Februar 2024 zu schaffen, im September erlitt ter Stegen dann noch einen Patellasehnenriss.

Nagelsmann ist zu mehrfachen Experimenten gezwungen, doch Oliver Baumann steckt mit 1899 Hoffenheim im Abstiegskampf und ist ebenfalls verletzt, Alexander Nübel (VfB Stuttgart) strahlt nicht mehr die Souveränität der Vorsaison aus und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) ist seit November 2023 nicht mehr nominiert worden.

In welchen Statistiken Gladbach-Keeper Nicolas überzeugt

Für Nicolas spricht die Paradenquote von 73,1 Prozent, mit der er im Bundesliga-Vergleich den vierten Platz belegt. In dieser Kategorie hat Trapp die Nase vorn (76,5 Prozent, Platz eins), Nübel (65,1 Prozent, Platz zehn) und Baumann (61,9 Prozent, Platz zwölf) fallen hingegen ab.

Außerdem entwickelt sich der 27-Jährige im Spiel mit Ball. Angesichts von 894 Ballkontakten (Platz acht im Liga-Ranking) wird Nicolas häufig ins Aufbauspiel von Borussia eingebunden, mit einer Passquote in der eigenen Hälfte von 91,6 Prozent (Platz fünf im Vergleich) kommen die Bälle regelmäßig bei seinen Vordermännern an. Für die gute Einbindung spricht überdies die durchschnittliche Passlänge von 25,8 Metern (Platz fünf im Vergleich).

Überzeugend ist Nicolas auch, wenn der Ball einmal lang geschlagen werden muss – was jedoch auch mit den Qualitäten von Tim Kleindienst zusammenhängt. Ligaweit hat Nicolas die zweitbeste Passquote bei Pässen in die gegnerische Hälfte (47,1 Prozent) und muss sich nur hinter Manuel Neuer (FC Bayern, 52,6 Prozent) verstecken.

Großer Nachteil? Nicolas ist kein Elfmeterkiller

Im Hinblick auf Turniere fällt allerdings eine Statistik ins Gewicht, bei der Nicolas der Konkurrenz deutlich unterliegt. Der Gladbach-Keeper ist in der Bundesliga kein Elfmeterkiller, steht in dieser Saison bei null Paraden in fünf Anläufen. Zum Vergleich: Trapp hat zwei von zwei Elfmetern pariert, Baumann immerhin zwei von vier Strafstößen und Nübel parierte einen von zwei Elfmetern.

Nimmt man die Bilanz der vergangenen Saison hinzu, steht Nicolas sogar bei null Elfmeter-Paraden in neun Duellen. Selbstverständlich haben Torhüter einen Nachteil, die Wahrscheinlichkeit für ein Tor ist viel höher als für eine Rettungstat des Keepers. Dennoch ist das Duell vom Punkt eine Qualität, die sich Nicolas neben dem weiteren Spiel mit Ball erarbeiten muss.

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