Tim Kleindienst ist der neue Hoffnungsträger von Borussia Mönchengladbach. Nach den ersten Wochen bittet der Stürmer aber um Geduld.
Rottach-Egern/Mönchengladbach – Wenn Sport-Geschäftsführer Roland Virkus über Tim Kleindienst spricht, wird schnell deutlich, weshalb Borussia Mönchengladbach die Ausstiegsklausel in kolportierter Höhe von sieben Millionen Euro aktiviert hat.
Was sich Gladbach von Kleindienst erhofft
Der Neuzugang des 1. FC Heidenheim bringt eine Eigenschaft mit, die in den Augen der Verantwortlichen bislang gefehlt hat. „Es ist immens wichtig, genau solche Typen zu haben, die Stimmung, Bissigkeit und Aggressivität reinbringen“, sagte Virkus am Montag in einer Medienrunde, an der auch fussball.news teilnahm. „Das steckt dich an, wenn du neben dir Positivität hast.“
Kleindienst, der vergangene Saison zwölf Tore für Heidenheim erzielt und mit dem Bundesliga-Neuling Platz acht erreicht hat, soll dem Angriff und dem Mittelfeld der Fohlen-Elf das Pressing beibringen. „Verteidigung fängt vorne an. Wenn du anläufst, ist es wichtig, dass du überhaupt anlaufen kannst, weil die Spieler nachschieben“, erläuterte Virkus und betonte: „Tim Kleindienst schaut in solchen Situationen erst über seine Schulter, peitscht die anderen an, nimmt sie mit.“
Wie der Neuzugang seine Rolle selbst beschreibt
Selbstverständlich ist der 1,94 Meter lange Mittelstürmer auch dafür verantwortlich, Tore zu schießen und insbesondere Gladbachs unvorhergesehene Kopfballstärke zu manifestieren. Außerdem soll Kleindienst für Konstanz in der Sturmspitze sorgen, da Tomáš Čvančara und Ex-Leihspieler Jordan häufig mit Verletzungen zu kämpfen hatten.
Dennoch ist Kleindienst in erster Linie für die „Drecksarbeit“ zuständig, also für das Anlaufen, das Stören des Gegners, das Erobern des Balls in der Nähe des gegnerischen Tores. So versteht der Angreifer selbst seine Rolle, wie er am Dienstag bekräftigte: „Ich hoffe, dass ich meine Intensität, die letztes Jahr vielleicht gefehlt hat, einbringen kann, die Jungs mitnehmen und sie motivieren kann, dass es auch geil sein kann, als Offensivspieler gegen den Ball zu arbeiten.“
Er sei ein „lauffreudiger, intensiver, körperlicher“ Spieler, wagte sich Kleindienst an einer Kurzbeschreibung seines fußballerischen Profils. „Ich bin kein Edeltechniker, das brauche ich aber auch nicht, weil es nicht zu meinem Spielstil passen würde“, ergänzte die dritte Gladbacher Neuverpflichtung dieses Sommers.
Kleindienst: „Gewisse Spieler sind schon galliger“
Zuvor sind bereits Philipp Sander und Kevin Stöger verpflichtet worden, um den zahmen Fohlen mehr Biss zu verleihen. Gladbach soll eine unangenehme Mannschaft werden, um ebenso unangenehmen Teams wie Mainz oder Union Berlin künftig die Stirn bieten zu können.
Beim 1:0-Sieg im Testspiel gegen Holstein Kiel deutete Borussia an, diese Intensität zu beherrschen. Kleindienst erkannte im Vergleich zu den vorherigen Spielen gegen Wegberg-Beeck und Fortuna Sittard einen Fortschritt: „Man merkt, dass gewisse Spieler vielleicht schon galliger sind, gegen den Ball zu arbeiten, und die erkennen, dass es Sinn ergeben kann. Umso schneller du den Ball zurückeroberst, umso mehr Energie kannst du sparen.“ Diese Gier zu verinnerlichen und auszustrahlen sei von großer Bedeutung, „dann können wir eine richtig geile Mannschaft haben“, ist Kleindienst überzeugt.
Wie Kleindienst den Test gegen Kiel einordnet
Gegen Kiel fiel jedoch auch auf, dass Kleindienst förmlich in der Luft hing. Das Spiel zog am Mittelstürmer vorbei, viele Aktionen fanden über die Außenbahnen statt, die meisten Hereingaben kamen flach in den Strafraum. „Man darf das nicht immer zu hoch hängen“, betonte Kleindienst, der einerseits erläuterte, Trainer Gerardo Seoane habe vorgegeben, viele Ballbesitzanteile zu verzeichnen.
Andererseits appellierte Kleindienst an Geduld, ehe die Einbindung in das Offensivspiel besser gelingt: „Es kann nicht von heute auf morgen gehen. Ich bin maximal vier Wochen hier, wo sollen diese Automatismen herkommen?“ Viel Trainingsarbeit und intensive Gespräche mit den Mannschaftskollegen seien erforderlich, um zu erörtern, „was ich gerne hätte, was sie gerne hätten“, und um anschließend zu evaluieren, „wie wir das hinkriegen“.
Denn auch wenn Kleindienst auf physischer Ebene ein ähnliches Profil mitbringt wie Jordan, sei er eben doch ein anderer Spielertyp, an den es sich zu gewöhnen gelte. Diesbezüglich hat der 28-Jährige aber keine Sorgen: „Ich bin sehr überzeugt, dass wir das hinbekommen, dass wir schnell Abläufe entwickeln.“ Und dass Gladbach dann eine unangenehme Mannschaft wird, die ihren Zielspieler zu bedienen weiß.